Fasst den Eierdieb!

Aktualisiert: März 30

Sittenbruch in Falkenstein?


Seit einiger Zeit fragen sich Spaziergänger was sich wohl hinter dieser Türe befindet. Hat in der kleinen idyllischen Gemeinde Falkenstein - sonst bekannt für Gastfreundschaft,

Hühnerstall
Der verruchte Hühnerstall

hervorragenden Wein und Gemütlichkeit, wo sich Tourist, Bauer, Bankangestellter und der Herr Pfarrer beim Heurigen oder beim Theaterbesuch im Festsaal treffen – ein neuer Geschäftszweig aufgemacht? Entsetzte Gespräche wie dieses könnten real werden:

Hofer: „Herr Pfarrer habn´s scho gsehn? Beim Pesau habens die rote Latern aufdreht! Was halten Sie davon, dass beim Pesau jetzt ... ähm ...“

Pfarrer: „Ich finde es hervorragend!“

Hofer: „Aber Herr Pfarrer ...?! Waren sie ... schon ...?“

Pfarrer: „Natürlich!“

Hofer: „Aso? Na, dann! Und wie is dort so?“

Pfarrer: „Also die Coco ist eine eher zarte Dame ...“

Hofer: „Aha ...“

Pfarrer: „Und der Hans-Günther ein mächtiger Franzose mit einem riesigen Kamm ... Ein

richtiger Beschützer!“

Hofer: „Oje.“

Pfarrer: „Dort ist für den Osterhasen nix zu holen!“

Hofer: „Was soll sich der Osterhase dort holen?

Pfarrer: „Na die Eier!“ (lacht)



Hinter der verruchten Tür befindet sich in Wahrheit der Hühnerstall. Das ist jetzt allgemein bekannt.

Als wir Kinder waren, hatten wir noch einen richtigen Bauernhof mit vielen Tieren.

Über die Jahre sind die Tiere immer weniger geworden. Der Bauernhof hat sich auf den Weinbau spezialisiert.

Andreas und ich haben uns erinnert, wie wir immer begeistert waren vom Gefiedertier. Es gibt so viele Erinnerungen, die wir damit verbinden. Unseren Opa zum Beispiel: Er war für uns der „Eierdieb“. Und das mit einer großen Selbstverständlichkeit, es war sein Ritual. Jeden Morgen zog er sich eine bestimmte Hose an, brauner Cord und weite Taschen, seine „Hendl-Hose“. Einmal fragte er uns, ob wir ihm helfen wollen, die Eier zu holen. Wir waren aufgeregt begeistert. Wir beobachteten ihn, wie er immer ein Ei genommen, es einmal kurz begutachtet und dann in seinem weiten Hosensack verschwinden hat lassen. Wir wollten nichts falsch machen. Nehmen, begutachten, in die Hosentasche stecken. Nehmen, begutachten, in die Hosentasche stecken.

So marschierten wir stolz zur Oma. Wir Brüder standen aufgefädelt vor ihr, mit geschwellter Brust. Bereit die Eier aus unseren Hosentaschen zu holen. Mit voller Spannung der Griff Richtung Hose...und da hatten wir verstanden, warum unser Opa immer die „Hendl-Hose“ anhatte.

Ich sage nur soviel, Hosentaschen von engen Jeans eignen sich nicht wirklich zum Transport von rohen Eiern.

Im Hintergrund lachte der Opa, vor uns die Oma. Bis heute frage ich mich, ob er sich einfach einen Spaß mit uns gemacht hat.


Jedenfalls wollten Andreas und ich die Selbstversorgung mit Eiern wieder aufleben lassen und unseren Kindern auch die Möglichkeit geben, in diesem Flair aufwachsen zu können. Und wer weiß, vielleicht spielt unser Vater ja unseren Kindern mal denselben Streich.

Bis dahin spiel ich den Eierdieb. Wenn Hans-Günther, der stolze französische Bresse-Hahn, mich lässt.



Noch vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, was für ein Hahn aus ihm werden würde. Ich denke, er ist sich dessen bewusst. Das Bresse-Huhn genießt nicht unverdient seiner Besonderheit wegen hohes Ansehen.



Wenn ich trotz Hans-Günthers Bewachung ein paar Eier ergattere, spiele ich demnächst auch Osterhase. Eier färben ist angesagt. Ich liebe es!

... auch so eine Kindheitserinnerung ...


Wer fürs Eier färben Stärkung braucht oder Interesse an Hans-Günthers Brief an den Osterhasen hat klickt am besten auf diesen Link:


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Und damit Hans-Günthers Selbstbewusstsein nicht ins Unermessliche steigt, geht's nächstes Mal wieder um mein Lieblingsthema: Wein ...

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