Dialog eines Winzers ...im Frühling

Aktualisiert: März 14

Personen

Stefan 40, Bankbeamter

Andreas 38, Winzer



Es ist ein sonniger Frühlingsmorgen. Stefan und Andreas treffen sich vorm Nah&Frisch. Beide essen Leberkässemmel.


Stefan: Herrlich. Endlich wieder Sonne. I glaub i muass ein bissl Abspecken bevor die

Badesaison losgeht. Gemma laufen?

Andreas: Ka Zeit.

Stefan: Wos warum?

Andreas: I muass no herrichten.

Stefan: Jetzt wo du´s sagst. Solltest wirklich wieder mal zum Frisör.

Andreas: Ned mi herrichten, den Weingarten. Für's kommende Jahr. Schäden beheben.

Stefan: Aso! Vorschlag, I hüf da und danach gehst mit mir laufen.

Andreas: Vorschlag angenommen.

Stefan: Was gibt’s zu tun?

Andreas: Herrichten, Anbinden, Ausbrechen, Abräumen, ...

Stefan: Aha ...äh ...was genau is ...

Andreas: ...dann ab aufn Traktor: Reben hächseln, Düngen, Bodenumbruch, ...

Stefan: Äh ...ok ...

Andreas: ...Bodenbearbeitung rund um den Rebstock, Pflanzenschutz. I glaub des wär's.


Verdutztes Gesicht von Stefan. Seine Leberkässemmel wird kalt. Er hat erst einen Bissen genommen und den hat er noch nicht geschluckt.

Schluckt.


Stefan: Aber dann is jo dann scho Sommer?!

Andreas: Eh.

Stefan: Jetzt fallt mir grad ein i muass no ... i muass no ... i muass jetzt. Seawas.


Andreas hebt seinen Kopf gen Himmel und macht einen Bissen von seiner Semmel. Er schließt die Augen und lässt die Sonne draufscheinen. Mit den Gedanken ist er schon ganz woanders ...


Andreas: Frühling im Weingarten. Wärmende Sonnenstrahlen, die Sonn wird endlich wieder stärker, die Natur zeigt ihr Kraft. Die Handarbeit hat nach den kalten Wintermonaten was befreiendes. Herrlich. Die Luft so klar wie selten. Mittendrin im Erwachen von Tier- und Pflanzenwelt.


Vögel zwitschern. Seine Augen öffnen sich wieder. Er sieht Stefan gerade noch um die Hausecke biegen. Andreas nimmt den letzten Bissen.


Andreas: Er waaß jo goaned was er verpasst.




Handarbeit im Frühling


Herrichten

Die Weingärten werden für das kommende Jahr auf Vordermann gebraucht. Übers Jahr entstandene Schäden am Drahtrahmen werden repariert, Pflanzstöcke nachgeschlagen und dort und da nach dem Rechten gesehen.

Anbinden

Die noch senkrecht stehenden, beim Schneiden stehen gelassenen Triebe werden gebogen und am untersten Draht fixiert.

Ausbrechen

Wassertriebe und überzählige junge Triebe werden entfernt. Die erste Ertragsregulierung der neuen Vegetationsperiode.

Abräumen

Die Stämme werden von jungen Trieben befreit.



Traktorarbeit im Frühling


Reben hächseln

Die geschnittenen Triebe aus dem Vorjahr werden zerkleinert und dem Kreislauf wieder zugeführt.

Düngen

Um die Vitalität und Gesundheit der Reben zu erhalten sowie um auch in Zukunft

Ertrag zu sichern, düngen wir unsere Weingärten mit Pferdemist.

Bodenumbruch

Je nach Trockenheit oder Feuchtigkeit wird jede zweite Zeile im Weingarten „umgebrochen". Da wir ohne künstliche Bewässerung auskommen, steuern wir so Konkurrenzen um lebensnotwendiges Wasser für die Reben.

Bodenbearbeitung um den Rebstock

Auch rund um den Stock gilt es, Trockenstress für die Reben zu verhindern. Bis zu viermal jährlich wird jeder Stock so umsorgt.

Pflanzenschutz

Auch Pflanzen brauchen Schutz. Vom Frühjahr bis August ist hier sehr viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt. In der biologischen Bewirtschaftung ist der Rebschutz die wohl größte Herausforderung.



Kellerarbeit im Frühling


Es ist Füll-Hochsaison. Manche Weine reifen noch. Viele sind schon fertig zur Abfüllung: Prüfnummer einreichen, Etiketten, Flaschen, Verschlüsse und Kartons bestellen, Fülltermine ausmachen ...

...und dann gehts zur Abfüllung.


Gut Ding braucht Weile! In diesem Sinne, Prost!

Ich hoffe, euch schmeckt unsere Arbeit genauso wie uns!








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